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Beförderungssituation für Frauen in der BwH
Rbf. 2/2001, S. 7

Michael Herrmann, Gesundbrunnenstr.3 86152 Augsburg

An alle Kolleginnen und Kollegen über RUNDBRIEF der ABB

Beförderungssituation für Frauen in der Bewährungshilfe

Sehr geehrte ,

die ABB hat sich mit der Beförderungssituation für Frauen in der Bewährungshilfe auseinandergesetzt:

In einer bayernweiten Fragebogenaktion wurde hierzu die aktuelle Situation erfragt und insbesondere die Auswirkungen von Erziehungsurlaub, Beurlaubung ohne Bezüge und Teilzeitbeschäftigungen auf die Beförderungssituation festgestellt. Die eingegangenen Rückmeldungen (s. Anlage) zeigen, dass Frauen aufgrund ihrer ausgeübten Erziehungstätigkeit in ihren beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten benachteiligt sind.

Die im bayerischen Gleichstellungsgesetz (BayGIG) verankerte Chancengleichheit für Frauen und Männer ist nicht vorhanden.

Gemäß Gleichstellungskonzept des OLG München vom 23.06.2000 beträgt der Frauenanteil im gehobenen Sozialdienst (Bewährungshilfe) insgesamt 40,49 %. Während vollzeitbeschäftigte Frauen in den Besoldungsgruppen A 9 (100%) und A 10 (39,9 %) überdurchschnittlich bzw. ihrem prozentualen Anteil entsprechend vertreten sind, nimmt der Frauenanteil in den Besoldungsgruppen A 11 (28,57 %), A 12 (5,26 %) und A 13 (14,29%) deutlich ab.

Für die OLG-Bezirke Nürnberg- Fürth und Bamberg liegen keine detaillierten Angaben über die Beschäftigungssituation vor. Die beiliegende Auswertung unserer Fragebogeaktion liefert jedoch ein vergleichbares Ergebnis.

Es wird von 291 Beschäftigten in der Bewährungshilfe ausgegangen ( Information Federführerbesprechung vom 13.04.2000). Ein Rücklauf von 115 Fragebögen ( =39,5%) liefert folgende Zahlen.

  1. Der Frauenanteil in den Besoldungsgruppen. BAT IV b, a, A 9, A 10 liegt zwischen 54,5% und 78,7%. Er sinkt von A 11 (37,9) über A 12 (23,1%) auf A 13 (0%).
  2. Teilzeitbeschäftigung wird bei der Auswertung nur bis 10/95 berücksichtigt, da ab diesem Zeitpunkt eine volle Anrechnung auf die Dienstjahre erfolgt (§ 13,Abs.2 LbV). Von einer Benachteiligung durch Teilzeitarbeit im Hinblick auf die Beförderungschancen sind 15 Kolleginnen und 1 Kollege betroffen.
  3. Erziehungsurlaub wird auf die Dienstjahre nur geringfügig angerechnet (insgesamt höchstens im Umfang von 2 Jahren, § 13, Abs. 3,Zi. 5 LbV).
    26 Kolleginnen unterbrachen ihre Beschäftigung teilweise mehrmals wegen Erziehungsurlaubs. Von den befragten Kollegen befand sich niemand im Erziehungsurlaub.
  4. Zeiten der Beurlaubung ohne Bezüge finden nur geringfügig Anrechnung bei den Dienstjahren (insgesamt höchstens im Umfang von 2 Jahren, § 13, Abs. 3, Zi. 5 LbV).
    Während kein Kollege ohne Bezüge beurlaubt war, nahmen 16 Kolleginnen diese Möglichkeit der Beurlaubung in Anspruch.
  5. Bei 5 Kolleginnen fielen wegen ihres Erziehungsurlaubes Regelbeurteilungen aus. Lediglich 1 Beurteilung wurde nachgeholt.
    Ausgefallene Regelbeurteilungen bei Kollegen wurden nicht benannt.

Ergebnis:

Es besteht eine offensichtliche Benachteiligung von Frauen hinsichtlich ihrer Beförderungschancen.

Auch wenn die Anrechnung von Teilzeitarbeit auf die Dienstjahre mittlerweile in voller Höhe erfolgt, beeinträchtigen die Auswirkungen der bis 10/95 gültigen Regelung nachhaltig die Aufstiegsmöglichkeiten.

Erziehungsurlaub und Beurlaubung ohne Bezüge werden auch weiterhin Beförderungen verzögern.

Um zu vermeiden, daß während Zeiten der Beurlaubung eine Regelbeurteilung mit der Chance, das Prädikat zu verbessern, ausfällt (Beurteilung mindestens alle 4 Jahre), besteht grundsätzlich die Möglichkeit, eine Zwischenbeurteilung zu beantragen (die letzte Beurteilung muß mindestens ein Jahr zurückliegen). Da für eine Beförderung angeblich in erster Linie das Beurteilungsprädikat ausschlaggebend ist ( vor den Dienstjahren ) sollte der Wegfall einer Regelbeurteilung verhindert werden.

Zur Vermeidung von ausfallenden Regelbeurteilungen während des Erziehungsurlaubes (s.Ziffer 5 der Auswertung) sollte eine Zwischenbeurteilung vor Antritt der Beurlaubung ermöglicht werden.

Um längerfristig eine Gleichstellung der Frauen auch in den höheren Besoldungsgruppen sicherzustellen, fordern wir, Frauen bei gleichen Voraussetzungen (Wahrung des Leistungsprinzips) bevorzugt zu befördern bis die Gleichstellungsquote erreicht ist.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Herrmann

l. Vorsitzender