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Kostengegenüberstellung: Strafvollzug - Bewährungshilfe
Rbf 4/2000, S.19


Den Kosten der Bewährungshilfe haben wir Angaben des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz anlässlich einer Tagung für leitenden Bewährungshelfer zugrunde gelegt, wonach die Vollkosten für eine Planstelle Bewährungshilfe, Besoldungsgruppe A 11, 77,83 DM stündlich betragen. Zu berücksichtigen ist bei dieser Berechnung, dass nach unserer Schätzung bestenfalls die Hälfte aller Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer nach A l 1 oder höher bezahlt werden, die tatsächlichen Gesamtkosten der Bewährungshilfe dürften also niedriger sein.
Die Kosten für den Strafvollzug haben wir der Informationsschrift "Justiz in Bayern", herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz im Dezember 1999, entnommen.


Den 12.533 Gefangenen in bayerischen Gefängnissen stehen 19.379 betreute Probanden (also über 50% mehr) der Bewährungshilfe gegenüber.

Kosten Strafvollzug
für 12.553 Gefangene (31.03.1999)
lt. Haushaltsplan für 1999
514,400.000,00 DM
Kosten p.a. / Gefangener
41.043,64 DM
Tageskosten / Gefangener
112,45 DM
Kosten Bewährungshilfe
für 19.379 Probanden (31.12.1999)
für 269 Planstellen 1999
61.133.908,40 DM
Kosten p.a. / Proband
3.154,65 DM
Tageskosten / Proband
8,64 DM

Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer arbeiten im Wesentlichen mit dem gleichen Klientenkreis, wie er auch in den Haftanstalten zu finden ist.


Die Qualität der Arbeit von Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfern beruht auf einer individuellen und sachlich-kritischen Auseinandersetzung mit den persönlichen Schwierigkeiten und Defiziten des Verurteilten und der Koordinierung entsprechender Hilfe- und Kontrollmassnahmen. Dieser Prozess der Auseinandersetzung erfordert entsprechende zeitliche Ressourcen, die angesichts gestiegener Probandenzahlen längst nicht mehr im notwendigen Mass vorhanden sind.
Zusätzlicher Aufwand ist nötig, wenn es sich beim zu betreuenden Personenkreis um Probanden wie etwa Gewalt- und Sexualstraftäter, die der besonderen Überwachung bedürfen, handelt.


Wir sehen die erfolgreiche Arbeit der Bewährungshilfe durch diese hohe Belastung auf Dauer gefährdet. Selbst das Bayerische Staatsministerium der Justiz hielt vor Jahren noch eine Obergrenze von max. 50 Probanden für sinnvoll. Dies würde in der gegenwärtigen Situation die Schaffung von etwa 120 Planstellen mit einem Mehraufwand von ca. 27,3 Millionen DM erfordern - eine Erhöhung der täglichen Betreuungskosten auf 12,45 DM je Proband - immer noch nur rund 10 % dessen, was ein Haftplatz kostet.


Mit einem Ausbau der Bewährungshilfe könnte auf den teuren Bau neuer Haftanstalten verzichtet werden, da Bewährungshilfe bei einem Großteil der Straftäter die gleiche Sicherheit vor neuen Straftaten zu wesentlich geringeren Kosten als der Strafvollzug gewährleistet.

Mai 2000
Vorstand der ABB