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Planstellensituation in der Bewährungshilfe

An
Staatsminister d. Justiz
Präsidentinnen und Präsidenten der OLGs und LGs
Justizverwaltung
Landtagsfraktionen
Leitende Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer
HPR



Planstellensituation in der Bewährungshilfe



Sehr geehrte Damen und Herren !

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer verfolgt mit großer Besorgnis die seit Jahren ständig wachsende Arbeitsbelastung in der Bewährungshilfe. Zu den sich permanent nach oben entwickelnden Fallzahlen seit 1993 von durchschnittlich 60 Probandinnen und Probanden je Bewährungshelferin bzw. Bewährungshelfer auf inzwischen 75 Probandinnen und Probanden im Jahr 2000 kommen noch strukturelle Veränderungen hinzu, die die Arbeitsbelastung erhöhen, in der Statistik aber nicht adäquat zum Ausdruck kommen.


Die Einführung der Leitenden Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer und deren Entlastung von der Betreuungsarbeit für die ihnen zugewiesenen Leitungsaufgaben schlägt sich inzwischen mit insgesamt rund 7 Planstellen in Bayern nieder. Diese Entlastung wird bei der offiziellen Statistik nicht berücksichtigt, obwohl sie real zu einer höheren Belastung der zu 100 % mit Betreuungsarbeit betrauten Kolleginnen und Kollegen führt.


Des weiteren wurde durch die Einführung der EDV in der Bewährungshilfe Anwendungsverwaltung für diesen Bereich notwendig. Auch hier haben Bewährungshelferinnnen und Bewährungshelfer diese zusätzlichen Aufgaben übernommen und sind in unterschiedlicher Weise, je nach Größe der Dienststelle zwischen 10 % bis 50 % ihrer Dienstzeit, von der Betreuungsarbeit freigestellt. Dies muss ebenfalls von den Kolleginnen und Kollegen aufgefangen werden. Die Einführung der EDV in der Bewährungshilfe wiederum hat keine Rationalisierungseffekte gezeigt, die diese Aufgaben der Anwendungsverwaltung abfangen könnten.
Auch diese Freistellungen finden in der offiziellen Statistik keinen Niederschlag.


Damit die reelle Belastungssituation der Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer in Bayern künftig in der Jahresstatistik zum Ausdruck kommt, fordern wir, dass die Entlastungen für Leitende Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer ebenso wie die Entlastung für Anwendungsverwaltung aufgenommen und in der Durchschnittsbelastung rechnerisch zum Ausdruck kommt.
Wir halten dies aus Gründen der korrekten Darstellung der Belastung für unumgänglich. Desweiteren ist für die Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer nicht mehr nachvollziehbar, dass diese Entlastungen und das damit verbundene Mehrengagement keinen offiziellen Niederschlag in der Landesstatistik finden.


Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer in Bayern betreuen, kontrollieren und überwachen inzwischen mehr als 20.000 Personen, die unter Bewährungs- bzw. Führungsaufsicht stehen. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur inneren Sicherheit und Integration dieser Personengruppe. Es ist hinlänglich bekannt, dass auch gefährliche und schwere Straftäter zu dieser von Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfern betreuten Personengruppe gehören. Die Anforderungen steigen ständig und durch die rasante Entwicklung der Fallzahlen drohen Einbußen in der Qualität der Arbeit, die sich gerade im Bereich der gefährlichen Straftäter als äußerst kritisch erweisen könnte.


Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, dass Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer vor Ort 80 und mehr Probandinnen und Probanden betreuen müssen und die Verantwortung bei dieser Belastung eigentlich nicht mehr übernommen werden kann.


Unserer Meinung nach sind personelle Aufstockungen im Bereich Bewährungshilfe dringend notwendig, um die Funktionalität und Qualität aufrechtzuerhalten. Es handelt sich bei den Fallzahlenentwicklungen um keine kurzfristige Erscheinung, sondern um eine seit Mitte der 90iger Jahre kontinuierliche Entwicklung nach oben.


Wir bitten Sie deshalb, unser Anliegen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten tatkräftig zu unterstützen.


Mit freundlichen Grüßen


Michael Herrmann

1. Vorsitzender